Welch wichtige Rolle in der Kindheit eine verlässliche und durchschaubare Umgebung für das Kind spielt, kann an verschiedenen Stellen in unserer Konzeption deutlich werden. Durch eine verlässliche Beziehung zu unserer näheren und weiteren Umgebung wie sie in der Kindheit gelegt wird erhalten wir die besten Möglichkeiten als Erwachsene verantwortungsvolle, vernünftige und tätige Menschen zu sein. Gerade das erleben des Jahreslaufs durch die Festeszeiten kann dem Menschen durch eine verlässliche Zeitgestaltung Sicherheit und eine gewisse Verlässlichkeit vermitteln.
[1] Den größten Teil des Jahres ist unser Blick entweder der unmittelbaren Gegenwart oder aber der Zukunft zugewendet. Um so mehr fühlen wir uns aufgefordert, an den Merktagen des Jahres, an den Festen, uns ein wenig in dasjenige zu versenken, was aus den Seelen, aus den Herzen der Menschen in der Vergangenheit dazu geführt hat, jene Merkzeichen in den Lauf der Zeiten hineinzustellen, welche uns als die Feste des Jahres erscheinen.
[2] Man sollte nicht unterschätzen, welche Bedeutung für die Menschheit so etwas hat wie die Hinlenkung aller Aufmerksamkeit auf eine Festeszeit des Jahres. Wenn auch in unserer Gegenwart das Feiern der religiösen Feste mehr ein gewohnheitsmäßiges ist, so war es doch nicht immer so, und es gab Zeiten, in denen die Menschen ihr Bewusstsein verbanden mit dem Verlauf des ganzen Jahres.
Die Menschen lebten dann mit, wie allmählich die Natur ihre Verwandlungen, ihre Metamorphosen durchmachte. Sie lebten das aber so mit, indem ihr Bewusstsein sich mit den Naturerscheinungen verband, dass sie gewissermaßen dieses Bewusstsein hinorientierten nach einer bestimmten Festeszeit, sagen wir also: im Jahresbeginne durch die verschiedenen Empfindungen hindurch, die mit dem Vergehen des Winters zusammenhingen nach der Osterzeit hin, oder im Herbst mit dem Hinwelken des Lebens nach der Weihnachtszeit hin. Dann erfüllten die Seele jene Empfindungen, die sich in der besonderen Art ausdrückten, wie man sich zu den Festen stellte.
So erlebte man also den Jahreslauf mit, und dieses Miterleben des Jahreslaufes war ja im Grunde genommen ein Durchgeistigen desjenigen, was man um sich herum nicht nur sah und hörte, sondern mit seinem ganzen Menschen erlebte.
Man erlebte den Jahreslauf wie den Ablauf eines organischen Lebens. Etwa so wie beim Kind die Äußerungen der kindlichen Seele in Zusammenhang stehen, mit den ungelenken kindlichen Bewegungen, oder mit der unvollkommenen Sprache des Kindes. Wie man bestimmte seelische Erlebnisse zusammenbringt mit dem Zahnwechsel, andere seelische Erlebnisse mit späteren Veränderungen des Körpers, so sah man das Walten und Weben von Geistigem in den Veränderungen der äußeren Naturverhältnisse. Es war ein Wachsen und Abnehmen.
Das aber hängt zusammen mit der ganzen Art und Weise, wie sich der Mensch überhaupt als Erdenmensch innerhalb der Welt fühlt.
[1] Zitat R.Steiner Vortrag Berlin, 21. Dezember 1911
[2] Zitat R.Steiner Vortrag Dornach, 2. April 1923